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Angststörungen

Was sind Panikattacken?

Symptome und Verlauf einer Panikattacke, Unterschiede zur Panikstörung und Hinweise darauf, wann medizinische Hilfe erforderlich ist.

Redaktion Mentale Gesundheit Deutschland · · Quellenbasierter Inhalt · Details
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Was eine Panikattacke ist

Eine Panikattacke ist eine plötzlich ansteigende Episode intensiver Angst oder starken Unbehagens. Typisch sind mehrere gleichzeitig auftretende körperliche und psychische Symptome: Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, Atemnotgefühl, Brustschmerzen oder Brustenge, Übelkeit, Schwindel, Hitze- oder Kälteschauer, Kribbeln, ein Gefühl der Unwirklichkeit sowie Angst vor Kontrollverlust oder Tod. Viele Attacken erreichen innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt.

Panik fühlt sich wie akute Gefahr an, auch wenn objektiv keine entsprechende Bedrohung erkennbar ist. Das autonome Nervensystem mobilisiert den Körper, die Aufmerksamkeit verengt sich auf bedrohlich erscheinende Signale. Die Episode klingt in der Regel wieder ab, kann aber Erschöpfung und Sorge hinterlassen. Das Erleben ist real und stark belastend. Es ist weder Einbildung noch Ausdruck mangelnder Willenskraft.

Unabhängige Informationen bietet die Patientenleitlinie zur Behandlung von Angststörungen. Den fachlichen Rahmen für Diagnostik und Behandlung setzt die S3-Leitlinie Angststörungen.

Panikattacke, Panikstörung und Agoraphobie

Eine einzelne Panikattacke ist keine eigene Diagnose und nicht automatisch eine Panikstörung. Panikattacken können in Belastungssituationen, bei anderen Angststörungen, Depressionen, Traumafolgen, Substanzkonsum oder körperlichen Erkrankungen auftreten. Bei einer Panikstörung treten wiederholt unerwartete Attacken auf. Hinzu kommen über längere Zeit die Sorge vor weiteren Attacken oder deutliche Verhaltensänderungen, etwa Vermeidung und ständige Körperkontrolle.

Agoraphobie kann zusätzlich bestehen. Betroffene fürchten Situationen, aus denen eine Flucht schwierig erscheint oder in denen Hilfe bei panikähnlichen Beschwerden nicht rasch verfügbar sein könnte. Dazu können Bus und Bahn, Menschenmengen, offene Plätze, Warteschlangen oder Alleinsein außerhalb der Wohnung gehören. Die genaue diagnostische Unterscheidung trifft Fachpersonal. Informationen zur Panikstörung und Agoraphobie vertiefen diese Unterschiede.

Der Kreislauf aus Körperempfindung und Katastrophendeutung

Häufig beginnt Panik mit einer Körperempfindung, etwa beschleunigtem Herzschlag, Schwindel oder veränderter Atmung. Wird sie als Zeichen für Herzinfarkt, Ersticken oder Kontrollverlust bewertet, steigt die Angst. Dadurch verstärken sich körperliche Reaktionen, die wiederum als Bestätigung der Gefahr erscheinen. Dieser Kreislauf kann sehr schnell ablaufen.

Nach einer Attacke entsteht oft Angst vor der nächsten. Betroffene meiden den Ort, gehen nur noch in Begleitung, sitzen nahe am Ausgang oder kontrollieren Puls und Atmung. Diese Strategien beruhigen kurzfristig, verhindern aber die Erfahrung, dass die Situation und die Körperempfindungen bewältigbar sind. Dadurch kann sich der Bewegungsradius schrittweise verkleinern.

Atemveränderungen können Kribbeln, Benommenheit und Engegefühl verstärken. Das subjektive Gefühl, keine Luft zu bekommen, ist bei Panik häufig. Es darf bei erstmals auftretenden, starken oder unklaren Beschwerden dennoch nicht automatisch psychisch erklärt werden. Mehr dazu unter Atemnotgefühl bei Angst.

Was während einer bekannten Panikattacke helfen kann

Wenn die Beschwerden medizinisch abgeklärt und als Panik bekannt sind, kann es helfen, die Reaktion einzuordnen: „Das ist eine Panikreaktion. Sie ist intensiv und wird abklingen.“ Bleiben Sie, wenn möglich, an einem sicheren Ort, lockern Sie enge Kleidung und richten Sie die Aufmerksamkeit auf konkrete Eindrücke in der Umgebung. Atmen Sie ruhig und ohne erzwungen tiefe Atemzüge. Sehr schnelles oder tiefes Atmen kann Beschwerden durch Hyperventilation verstärken.

Versuchen Sie nicht, jedes Symptom sofort kontrollieren zu müssen. Der Kampf gegen die Empfindungen kann die Alarmbewertung erhöhen. Nach der Attacke sind Ruhe und eine kurze Dokumentation von Auslösern, Gedanken und Verhalten hilfreicher als stundenlanges Recherchieren oder Kontrollieren. Atemübungen und die bewusste Orientierung in der Umgebung können unterstützen, ersetzen aber keine Behandlung bei wiederkehrenden Attacken.

Angehörige können ruhig bleiben, kurze Sätze verwenden und fragen, was die Person braucht. Sie sollten weder dramatisieren noch körperliche Warnzeichen pauschal als Panik abtun. Wenn unklar ist, ob ein medizinischer Notfall vorliegt, ist eine professionelle Einschätzung sinnvoll.

Medizinische Abklärung und Differenzialdiagnosen

Herzrhythmusstörungen, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion, Unterzuckerung, neurologische Erkrankungen, Medikamentennebenwirkungen sowie stimulierende Substanzen oder ein Substanzentzug können panikähnliche Symptome hervorrufen. Welche Untersuchungen erforderlich sind, hängt von Alter, Vorerkrankungen, Symptomart und Befund ab. Eine fachgerechte Angstdiagnostik und medizinische Abklärung widersprechen sich nicht.

Auch Krankheitsangst kann mit wiederholter Körperkontrolle und Rückversicherung verbunden sein, ohne dass unerwartete Panikattacken im Mittelpunkt stehen. Vertiefende Informationen bietet Angst, krank zu werden. Fragebögen können Symptome erfassen, stellen aber keine Diagnose und schließen körperliche Ursachen nicht aus.

Evidenzbasierte Behandlung

Besonders gut untersucht ist kognitive Verhaltenstherapie. Sie vermittelt ein verständliches Modell des Panikkreislaufs, überprüft Katastrophendeutungen und baut Vermeidung sowie Sicherheitsverhalten ab. Bei interozeptiver Exposition werden gefürchtete, medizinisch unbedenkliche Körperempfindungen gezielt hervorgerufen, damit neue Erfahrungen entstehen. Situative Exposition hilft, gemiedene Orte schrittweise wieder aufzusuchen.

Je nach Schweregrad, Begleiterkrankungen und Präferenz können bestimmte Antidepressiva eingesetzt werden. Wirkung und Nebenwirkungen werden ärztlich begleitet. Benzodiazepine bergen bei wiederholter Einnahme Gewöhnungs- und Abhängigkeitsrisiken und sind keine geeignete langfristige Bewältigungsstrategie. Behandlungsmöglichkeiten erläutert Behandlung von Angststörungen.

Regelmäßiger Schlaf, Bewegung sowie weniger Koffein, Nikotin, Alkohol und andere Substanzen können das allgemeine Erregungsniveau reduzieren. Sie ersetzen bei wiederkehrenden Attacken keine fachliche Behandlung. Auch selbst organisierte Konfrontationen sollten schrittweise und nicht überfordernd erfolgen.

Wann Sie fachliche oder sofortige Hilfe brauchen

Suchen Sie fachliche Unterstützung, wenn Attacken wiederkehren, die Angst vor der nächsten Attacke anhält, Sie Situationen meiden oder häufig medizinische Rückversicherung benötigen. Hausarztpraxis, psychotherapeutische Sprechstunde und psychiatrische Praxis sind mögliche Anlaufstellen. Gesetzlich Versicherte können Termine über 116117.de anfragen.

Wählen Sie 112 bei erstmals auftretenden starken oder andersartigen Brustschmerzen, schwerer Atemnot, Bewusstseinsstörungen, Lähmungserscheinungen oder anderen Hinweisen auf einen medizinischen Notfall. Auch akute Suizidgedanken oder fehlende eigene Sicherheit sind ein Notfall. Weitere Anlaufstellen finden Sie unter Hilfe in Krisen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Panikattacke?

Viele Panikattacken erreichen innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt und klingen anschließend ab. Die genaue Dauer variiert; Erschöpfung, Wachsamkeit und Sorge können deutlich länger anhalten.

Ist jede Panikattacke eine Panikstörung?

Nein. Eine Panikstörung erfordert wiederkehrende unerwartete Attacken sowie anhaltende Sorge vor weiteren Attacken oder deutliche Verhaltensänderungen. Eine einzelne Attacke kann viele Ursachen haben.

Muss ich bei Panik den Notarzt rufen?

Bei bekannten, ärztlich abgeklärten Panikattacken ist nicht automatisch ein Notruf nötig. Bei neuen, ungewöhnlich starken oder unklaren Beschwerden, schwerer Atemnot, starken Brustschmerzen, Bewusstseinsstörungen oder Lähmungszeichen wählen Sie 112.

Sind Panikattacken gefährlich?

Die Panikreaktion selbst ist meist zeitlich begrenzt, fühlt sich aber extrem bedrohlich an. Ähnliche Symptome können körperliche Ursachen haben, die medizinisch abgeklärt werden müssen. Wiederkehrende Panikattacken sind gut behandelbar.

Soll ich bei Panik besonders tief atmen?

Nicht erzwungen. Sehr schnelles oder tiefes Atmen kann Hyperventilation und Beschwerden verstärken. Hilfreicher ist meist ruhiges, natürliches Atmen. Bei schwerer oder unklarer Atemnot ist medizinische Hilfe erforderlich.

Quellen

Eine namentliche fachliche Begutachtung liegt derzeit nicht vor; deshalb weisen wir keine Prüferzeile aus.

Weitere Informationen

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