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Angststörungen

Welche Arten von Angststörungen gibt es?

Überblick über generalisierte Angststörung, Panikstörung, Agoraphobie, soziale Angststörung und spezifische Phobien.

Redaktion Mentale Gesundheit Deutschland · · Quellenbasierter Inhalt · Details
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Wie Angststörungen fachlich unterschieden werden

Angststörungen sind eine Gruppe psychischer Erkrankungen, bei denen übermäßige Furcht, Angst oder Sorgen sowie daraus entstehende Vermeidung im Mittelpunkt stehen. Furcht bezeichnet eher die Reaktion auf eine unmittelbar wahrgenommene Bedrohung, Angst eher die Erwartung einer möglichen Gefahr. Im Alltag überschneiden sich beide. Gemeinsam sind vielen Störungsbildern körperliche Alarmreaktionen, Katastrophengedanken, Sicherheitsverhalten und ein eingeschränkter Lebensradius.

Die Formen werden vor allem danach unterschieden, worauf sich die Angst richtet, ob Attacken unerwartet auftreten und wie lange Beschwerden bestehen. Die Übergänge sind nicht immer scharf, und mehrere Angststörungen können gleichzeitig vorliegen. Die Einordnung dient einer passenden Behandlung, nicht der vorschnellen Selbstdiagnose. Fachliche Grundlage ist die S3-Leitlinie Angststörungen der AWMF; unabhängige Patienteninformationen bietet die Bundespsychotherapeutenkammer.

Generalisierte Angststörung

Bei der generalisierten Angststörung bestehen über längere Zeit ausgeprägte und schwer kontrollierbare Sorgen zu mehreren Lebensbereichen, etwa Gesundheit, Familie, Finanzen, Arbeit oder Zukunft. Die Themen können wechseln. Viele Betroffene beschreiben eine dauernde Alarmbereitschaft und das Gefühl, durch Sorgen mögliche Katastrophen verhindern zu müssen. Typische Begleitzeichen sind Ruhelosigkeit, schnelle Ermüdbarkeit, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit, Muskelanspannung und gestörter Schlaf.

Normale Sorgen sind meist anlassbezogen, zeitlich begrenzt und führen eher zu einer Lösung oder Entscheidung. Bei einer generalisierten Angststörung nehmen die Sorgen deutlich mehr Raum ein, sind schwerer zu kontrollieren und beeinträchtigen den Alltag. Depressionen, körperliche Erkrankungen, Medikamente und Substanzen müssen als Mitursachen oder alternative Erklärungen berücksichtigt werden. Vertiefende Informationen finden Sie unter generalisierte Angststörung.

Panikstörung und Panikattacken

Panikattacken sind plötzlich ansteigende Episoden intensiver Angst mit Beschwerden wie Herzrasen, Schwindel, Zittern, Schwitzen, Brustenge, Atemnotgefühl, Entfremdung oder Todesangst. Eine einzelne Panikattacke ist noch keine Panikstörung und kann auch bei anderen psychischen oder körperlichen Problemen vorkommen. Für die Panikstörung sind wiederkehrende unerwartete Attacken und anhaltende Sorge vor weiteren Attacken oder deutliche Verhaltensänderungen charakteristisch.

Agoraphobie bezeichnet ausgeprägte Angst vor Situationen, aus denen eine Flucht schwierig erscheint oder in denen Hilfe nicht rasch verfügbar sein könnte, beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Menschenmengen oder weit entfernt von zu Hause. Panikstörung und Agoraphobie können gemeinsam oder getrennt auftreten. Mehr dazu unter Panikstörung, Panikattacken und Agoraphobie. Neue starke Herz- oder Atembeschwerden sollten medizinisch abgeklärt werden.

Soziale Angststörung

Bei der sozialen Angststörung steht die Furcht im Mittelpunkt, von anderen beobachtet, negativ bewertet, beschämt oder zurückgewiesen zu werden. Sie kann Leistungssituationen wie Vorträge betreffen oder viele soziale Kontakte, etwa Gespräche, gemeinsames Essen oder Begegnungen mit unbekannten Menschen. Erröten, Zittern, Schwitzen und Denkblockaden werden oft selbst zum Gegenstand der Angst.

Schüchternheit ist eine Persönlichkeitseigenschaft und nicht automatisch eine Erkrankung. Für eine soziale Angststörung sprechen anhaltende, übermäßige Angst, deutliche Vermeidung oder das Aushalten unter großer Belastung sowie relevante Einschränkungen. Sie ist von Autismus, Depression, körperdysmorphen Sorgen und anderen Ursachen sozialer Schwierigkeiten abzugrenzen. Mehr dazu unter soziale Angststörung.

Spezifische Phobien

Spezifische Phobien richten sich auf klar umgrenzte Objekte oder Situationen, zum Beispiel bestimmte Tiere, Höhen, Fliegen, Blut, Spritzen oder enge Räume. Die Angst tritt bei Kontakt oder bereits in Erwartung fast unmittelbar auf. Betroffene erkennen häufig, dass die Reaktion übermäßig ist, können sie aber nicht einfach willentlich abschalten. Relevant wird die Phobie besonders, wenn wichtige medizinische Behandlungen, Reisen, Arbeit oder Alltag dadurch beeinträchtigt werden.

Die Bezeichnungen im Alltag sind nicht immer deckungsgleich mit einer fachlichen Diagnose. Klaustrophobie beschreibt etwa die Angst vor engen oder geschlossenen Räumen und wird diagnostisch den spezifischen Phobien zugeordnet. Vertiefend helfen spezifische Phobien und Klaustrophobie.

Was ähnlich aussehen kann

Angst ist auch bei Depression, posttraumatischer Belastungsstörung, Zwangsstörung, Krankheitsangst, Essstörungen und Substanzproblemen möglich. Bei einer Traumafolgestörung beziehen sich Alarm und Vermeidung typischerweise auf ein traumatisches Ereignis; bei Zwangsstörungen stehen aufdringliche Gedanken und ritualisierte Handlungen im Vordergrund. Körperliche Erkrankungen wie Schilddrüsenüberfunktion, Herzrhythmusstörungen oder Atemwegserkrankungen können ebenfalls Angstsymptome verursachen.

Diese Überschneidungen erklären, warum Screeningtests keine Diagnose liefern. Fachpersonal prüft das gesamte Muster, den zeitlichen Verlauf und alternative Ursachen. Informationen zu häufigen Kombinationen finden Sie unter Angst und Depression sowie Angst nach Trauma und PTBS.

Behandlung und Grenzen der Selbsthilfe

Für Angststörungen stehen wirksame Behandlungen zur Verfügung. Besonders gut belegt ist kognitive Verhaltenstherapie mit störungsspezifischer Exposition. Dabei werden gefürchtete Situationen oder Empfindungen geplant aufgesucht und Sicherheitsverhalten schrittweise reduziert. Je nach Diagnose und Präferenz kommen weitere psychotherapeutische Verfahren sowie bei mittelgradiger bis schwerer Ausprägung bestimmte Antidepressiva infrage. Die Behandlung wird individuell ausgewählt.

Allgemeine Maßnahmen wie Bewegung, regelmäßiger Schlaf und weniger Koffein können unterstützen, ersetzen bei deutlicher Beeinträchtigung aber keine fachliche Behandlung. Hilfe ist sinnvoll, wenn Vermeidung zunimmt, Panikattacken wiederkehren oder Arbeit, Beziehungen und Gesundheit leiden. Bei akuten Suizidgedanken oder medizinischen Notfällen gilt 112; weitere Anlaufstellen nennt Hilfe in Krisen.

Häufige Fragen

Muss ich meine Form selbst benennen können?

Nein. Für ein erstes Gespräch reichen eine Beschreibung Ihrer Beschwerden, deren Verlauf und die Auswirkungen auf den Alltag. Die diagnostische Einordnung übernimmt qualifiziertes Fachpersonal.

Können mehrere Angstformen gleichzeitig vorkommen?

Ja. Mehrere Angststörungen und weitere Erkrankungen wie Depression können gleichzeitig vorkommen. Eine sorgfältige Diagnostik hilft, Prioritäten für die Behandlung festzulegen.

Sind Phobien „echte“ Angststörungen?

Ja. Spezifische Phobien sind anerkannte Angststörungen und können medizinische Versorgung, Mobilität oder Alltag erheblich einschränken. Expositionsbasierte Psychotherapie ist häufig wirksam.

Ist eine Panikattacke automatisch eine Panikstörung?

Nein. Panikattacken können einzeln oder im Rahmen verschiedener Erkrankungen auftreten. Für eine Panikstörung sind wiederkehrende unerwartete Attacken und anhaltende Sorge oder Verhaltensänderung entscheidend.

Quellen

Eine namentliche fachliche Begutachtung liegt derzeit nicht vor; deshalb weisen wir keine Prüferzeile aus.

Weitere Informationen

Weitere Informationen finden Sie im Themenbereich Angststörungen.

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