Essstörungen
Welche Formen von Essstörungen gibt es?
Die wichtigsten Krankheitsbilder und Mischformen im Überblick – ohne ihre Schwere am Körpergewicht festzumachen.
Die wichtigsten Krankheitsbilder und Mischformen im Überblick – ohne ihre Schwere am Körpergewicht festzumachen.
Redaktion Mentale Gesundheit Deutschland · · Quellenbasierter Inhalt · Details
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Diagnosen beschreiben Muster, nicht den ganzen Menschen
Diagnostische Bezeichnungen helfen Fachpersonen, typische Gruppen von Beschwerden zu erkennen und die Behandlung zu planen. Im Alltag sind die Grenzen jedoch nicht immer eindeutig: Symptome können sich verändern, überlappen oder die Kriterien einer einzelnen Diagnose nur teilweise erfüllen.
Alle Formen können schwerwiegende psychische, körperliche und soziale Folgen haben. Die diagnostische Kategorie sagt nicht aus, wie sehr ein einzelner Mensch belastet ist.
Anorexia nervosa
Kennzeichnend für Anorexia nervosa sind eine anhaltend eingeschränkte Energieaufnahme und ein im individuellen Kontext deutlich zu niedriges Körpergewicht. Hinzu kommen eine ausgeprägte Angst vor einer Gewichtszunahme oder anhaltende Verhaltensweisen, die ihr entgegenwirken. Körpergewicht und Figur können den Selbstwert stark bestimmen.
Auch bei einem Gewicht außerhalb des Untergewichtsbereichs können anorektische Symptome und erhebliche medizinische Risiken bestehen. Fachpersonen berücksichtigen deshalb den Verlauf, das Verhalten und den körperlichen Zustand – nicht nur einen einzelnen Messwert.
Bulimia nervosa und Binge-Eating-Störung
Bei Bulimia nervosa treten wiederholt Essanfälle mit Kontrollverlust auf, auf die kompensatorische Verhaltensweisen folgen. Vieles geschieht im Verborgenen, sodass die Erkrankung lange unbemerkt bleiben kann.
Auch bei der Binge-Eating-Störung kommt es wiederholt zu Essanfällen mit Kontrollverlust und deutlichem Leidensdruck, jedoch nicht regelmäßig zu kompensatorischen Verhaltensweisen. Das Krankheitsbild ist weder mit gelegentlichem Überessen gleichzusetzen noch Ausdruck mangelnder Willenskraft.
Weitere Formen und Abgrenzungen
Zu den weiteren Einordnungen zählen andere näher bezeichnete Essstörungen. Dabei bestehen klinisch bedeutsame Beschwerden, ohne dass sämtliche Kriterien der genannten Krankheitsbilder erfüllt sind. Auch ARFID, eine Störung mit vermeidender oder eingeschränkter Nahrungsaufnahme, gehört zu den Fütter- und Essstörungen; Angst vor Gewichtszunahme oder eine ausgeprägte Beschäftigung mit der Figur stehen dabei nicht im Vordergrund.
Auch das Night-Eating-Syndrom und belastendes emotionales Essen müssen sorgfältig eingeordnet werden. Nicht jedes ungewöhnliche Essmuster ist eine Essstörung. Leidensdruck und körperliche Folgen sollten dennoch fachlich abgeklärt werden.
Medizinischer Hinweis
Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine persönliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Essstörungen können den Körper auch dann ernsthaft belasten, wenn dies äußerlich nicht sichtbar ist. Bei Kreislaufproblemen, Ohnmacht, Brustschmerz, Verwirrtheit, Blutungen, schwerer Schwäche oder unmittelbarer Selbstgefährdung rufen Sie 112 oder suchen Sie eine Notaufnahme auf.
Häufige Fragen
Kann sich die Form im Verlauf ändern?
Ja. Symptome können wechseln oder sich überlappen. Deshalb betrachten Fachpersonen den gesamten Verlauf und passen die Behandlung an.
Ist Binge Eating einfach Überessen?
Nein. Entscheidend sind wiederkehrender Kontrollverlust, deutlicher Leidensdruck und weitere diagnostische Merkmale. Gelegentlich mehr zu essen erfüllt diese Kriterien nicht.
Sind nicht näher bezeichnete Essstörungen weniger schwer?
Nein. Auch Symptombilder, die nicht alle Kriterien einer bestimmten Diagnose erfüllen oder sich überschneiden, können medizinisch und psychisch schwerwiegend sein.
Quellen
- S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Essstörungen (AWMF, 2018)
- Patientenleitlinie Diagnostik und Therapie der Essstörungen (AWMF / DGESS, 2024)
- Leitlinien für Essstörungen in Deutschland (Deutsche Gesellschaft für Essstörungen)
- Informationen und Beratung zu Essstörungen (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit)
Eine namentliche fachliche Begutachtung liegt derzeit nicht vor; deshalb weisen wir keine Prüferzeile aus.
Weitere Informationen
Weitere Informationen finden Sie im Themenbereich Essstörungen.
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