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Angststörungen

Innere Unruhe bei Angst: Warum kann ich nicht stillsitzen?

Innere Unruhe kann bei Angst auftreten, hat aber auch körperliche, medikamentöse und andere psychische Ursachen. Was bei der Einordnung und Behandlung wichtig ist.

Redaktion Mentale Gesundheit Deutschland · · Quellenbasierter Inhalt · Details
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Wie sich innere Unruhe zeigen kann

Innere Unruhe ist ein subjektives Gefühl von Getriebenheit und Anspannung. Manche Menschen wippen mit dem Fuß, wechseln ständig die Sitzposition, laufen umher oder beginnen eine Tätigkeit nach der anderen. Andere wirken äußerlich ruhig und erleben dennoch ein kaum erträgliches inneres Vibrieren. Konzentration, Gespräche, Essen und Einschlafen können dadurch schwerfallen. Häufig kommen Herzklopfen, Schwitzen, Muskelspannung, Reizbarkeit und ein beschleunigtes Denken hinzu.

Bei Angst bereitet der Körper eine Reaktion auf Gefahr vor. Stresshormone erhöhen Aufmerksamkeit und Muskelbereitschaft. Gibt es keine klare Handlung, kann diese Aktivierung als Bewegungsdrang erlebt werden. Bei einer Panikattacke steigt sie meist innerhalb kurzer Zeit stark an und klingt wieder ab. Bei generalisierter Angst oder Dauerstress kann die Unruhe weniger intensiv sein, dafür aber anhalten. Einen Überblick über weitere körperliche und psychische Angstsymptome finden Sie im Themenbereich.

Innere Unruhe ist jedoch keine Diagnose und nicht automatisch psychisch verursacht. Neu auftretende, ausgeprägte oder ungewöhnliche Beschwerden sollten nicht vorschnell als Angst abgetan werden.

Mögliche Ursachen und Verstärker

Schlafmangel, hohe Arbeitsbelastung, Konflikte und ständige Erreichbarkeit können das Erregungsniveau erhöhen. Koffein, Nikotin, Energydrinks, bestimmte Drogen und Alkoholentzug sind weitere mögliche Verstärker. Wer aus Angst ständig den Körper kontrolliert, bewertet normale Aktivierung eher als gefährlich. Darauf folgt noch mehr Anspannung. Auch das Vermeiden aller ruhigen Situationen kann verhindern, dass der Körper sich wieder an ein niedrigeres Aktivierungsniveau gewöhnt.

Medizinisch kommen unter anderem Schilddrüsenfunktionsstörungen, Blutarmut, Infektionen, Schmerzen, hormonelle Veränderungen oder neurologische Erkrankungen infrage. Medikamente können ebenfalls Unruhe auslösen, zum Beispiel manche anregenden Präparate oder eine Akathisie unter bestimmten Psychopharmaka. Akathisie bezeichnet eine quälende motorische Unruhe und muss zeitnah ärztlich beurteilt werden. Verordnete Medikamente sollten deshalb niemals eigenständig abgesetzt werden.

Psychische Differenzialdiagnosen

Unruhe tritt neben Angststörungen auch bei ADHS, Depression, Traumafolgestörungen, Substanzproblemen und bipolaren Erkrankungen auf. Bei ADHS besteht die motorische oder innere Unruhe typischerweise zusammen mit längerfristigen Aufmerksamkeits- und Impulsivitätsmustern, oft bereits seit Kindheit oder Jugend. Der Themenbereich ADHS bietet eine erste Orientierung, ersetzt aber keine Diagnostik.

Besondere Aufmerksamkeit braucht Unruhe zusammen mit ungewöhnlich gehobener oder stark gereizter Stimmung, deutlich gesteigertem Antrieb, riskantem Verhalten, Rededrang und einem erheblich verringerten Schlafbedürfnis ohne Müdigkeit. Das kann zu einer manischen oder hypomanischen Episode passen und sollte kurzfristig psychiatrisch abgeklärt werden. Gedankenrasen allein reicht für diese Einordnung nicht aus.

Was bei der Untersuchung wichtig ist

In der Hausarztpraxis helfen Angaben zu Beginn, Tagesverlauf, Auslösern und Begleitsymptomen. Bringen Sie eine vollständige Liste verschriebener und frei gekaufter Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, Koffeinmenge und Substanzen mit. Je nach Befund folgen körperliche Untersuchung, Blutwerte oder weitere Diagnostik. Psychotherapeutisch wird geklärt, ob Sorgen, Panik, Vermeidung und Sicherheitsverhalten die Unruhe erklären oder aufrechterhalten.

Sofortige medizinische Hilfe ist nötig, wenn Unruhe mit starken Brustschmerzen, schwerer Atemnot, Bewusstseinsstörungen, Lähmungszeichen, schwerer Verwirrtheit oder einer Vergiftung einhergeht. Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung gilt ebenfalls 112.

Behandlung und begrenzte Selbsthilfe

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei einer Angststörung sind leitliniengerechte Psychotherapie, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie mit schrittweiser Konfrontation, und je nach Situation Medikamente wirksame Möglichkeiten. Körperliche Ursachen werden gezielt behandelt, medikamentöse Nebenwirkungen ärztlich angepasst. Bei Schlafproblemen oder Substanzkonsum braucht es gegebenenfalls einen eigenen Behandlungsplan.

Für den Alltag können kurze geplante Bewegungsphasen, bewusste Übergänge zwischen Aktivität und Ruhe sowie die Reduktion großer Koffeinmengen helfen. Probieren Sie beim Sitzen einen festen Bodenkontakt und eine Aufgabe mit klarer Dauer, statt die Unruhe fortlaufend zu messen. Langsames Ausatmen kann die Aktivierung etwas senken. Es soll nicht erzwungen werden und ist keine Behandlung der Ursache. Regelmäßige Mahlzeiten und ein stabiler Schlafrhythmus unterstützen die Regulation.

Führen Sie für einige Tage ein knappes Protokoll aus Uhrzeit, Situation, Intensität, Schlaf, Koffein und Medikamenteneinnahme. Vermeiden Sie stundenlange Selbstbeobachtung, da sie die Aufmerksamkeit auf das Symptom verstärken kann. Setzen Sie verschriebene Medikamente nicht abrupt ab.

Wann Sie Unterstützung suchen sollten

Vereinbaren Sie zeitnah einen Termin, wenn die Unruhe neu oder stark ist, nach Beginn oder Änderung eines Medikaments auftritt, mehrere Nächte den Schlaf verhindert oder Arbeit und Beziehungen deutlich beeinträchtigt. Eine psychotherapeutische Sprechstunde ist sinnvoll, wenn Sorgen, Panikattacken oder Vermeidung im Vordergrund stehen. Termine vermittelt 116117.de.

Wenn Sie kaum noch schlafen, sich ungewöhnlich getrieben oder enthemmt fühlen, die Kontrolle verlieren oder Suizidgedanken auftreten, warten Sie nicht auf einen regulären Termin. Nutzen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, eine psychiatrische Notaufnahme oder bei unmittelbarer Gefahr 112.

Häufige Fragen

Ist innere Unruhe dasselbe wie eine Panikattacke?

Nein. Unruhe kann länger anhalten und unterschiedlich stark sein. Eine Panikattacke erreicht meist innerhalb kurzer Zeit einen ausgeprägten Höhepunkt. Beides kann gemeinsam auftreten.

Kann ein Medikament Bewegungsdrang verursachen?

Ja. Manche Medikamente können Unruhe oder Akathisie auslösen. Änderungen gehören zeitnah in ärztliche Hände, verordnete Mittel sollten nicht eigenständig abgesetzt werden.

Hilft Sport gegen innere Unruhe?

Regelmäßige, angemessene Bewegung kann die allgemeine Regulation unterstützen. Sehr intensives Training kann akute Aktivierung bei manchen verstärken und ersetzt keine Abklärung neuer oder starker Beschwerden.

Wann ist starke Unruhe ein Notfall?

Bei schwerer Atemnot, Brustschmerz, Bewusstseinsstörung, Vergiftung, schwerer Verwirrtheit oder akuter Selbst- oder Fremdgefährdung ist sofortige Hilfe über 112 erforderlich.

Quellen

Eine namentliche fachliche Begutachtung liegt derzeit nicht vor; deshalb weisen wir keine Prüferzeile aus.

Weitere Informationen

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