Selbstverletzung
Mit Selbstverletzung aufhören und mit Rückschritten umgehen
Veränderung realistisch planen, Auslöser und Bedürfnisse verstehen und nach Rückschritten ohne Selbstvorwürfe weitergehen.
Veränderung realistisch planen, Auslöser und Bedürfnisse verstehen und nach Rückschritten ohne Selbstvorwürfe weitergehen.
Redaktion Mentale Gesundheit Deutschland · · Quellenbasierter Inhalt · Details
- Hinweis:
- Quellenbasierter redaktioneller Inhalt
Veränderung beginnt nicht mit Perfektion
Der Wunsch aufzuhören ist ein wichtiger Schritt. Zugleich hat selbstverletzendes Verhalten oft über längere Zeit dazu gedient, mit starker Belastung umzugehen. Ein bloßes Verbot nimmt die zugrunde liegende Anspannung nicht.
Ein realistischer Plan verbindet deshalb Sicherheit, ein Verständnis für die Funktion des Verhaltens, nicht verletzende Alternativen und professionelle Hilfe. Ein erstes Ziel kann sein, früher Unterstützung zu suchen oder mehr Abstand zwischen Druck und Handlung zu gewinnen.
Was einen tragfähigen Plan ausmacht
Der Plan sollte kurz und auch unter starker Belastung gut verständlich sein. Er ist weder eine Garantie noch ein Vertrag. Wenn er nicht ausreicht, braucht es mehr Unterstützung statt zusätzlicher Selbstkritik.
- persönliche Warnzeichen und belastende Situationen erkennen
- früh erreichbare Kontakte festlegen
- sichere Orte und nicht verletzende Tätigkeiten benennen
- fachliche Termine und Krisenwege konkret notieren
- den Plan regelmäßig gemeinsam überprüfen
Ein Rückschritt ist keine Niederlage
Eine erneute Selbstverletzung macht frühere Fortschritte nicht zunichte. Nach der notwendigen medizinischen Versorgung und einer Einschätzung der aktuellen Sicherheit lässt sich gemeinsam betrachten, welche Belastung größer war als erwartet und was im Plan gefehlt hat.
Beschämung und Strafen führen häufig dazu, dass Betroffene das Verhalten eher verheimlichen. Hilfreicher ist eine sachliche Auswertung: Wann wäre ein früherer Kontakt möglich gewesen? War die vorgesehene Alternative tatsächlich verfügbar? Braucht es intensivere professionelle Unterstützung?
Unterstützung längerfristig verankern
Psychotherapie kann dabei helfen, den Umgang mit Gefühlen, Beziehungsmuster, Selbstabwertung und mögliche zugrunde liegende Erkrankungen zu bearbeiten. Je nach Situation kommen ambulante, teilstationäre, stationäre oder akutpsychiatrische Angebote infrage.
Eine psychotherapeutische Sprechstunde ist ein möglicher Einstieg. Gesetzlich Versicherte finden über 116117.de Unterstützung bei der Terminvermittlung. Bei akuter Gefahr gilt weiterhin Hilfe in Krisen.
Wichtiger Sicherheitshinweis
Diese Seite beschreibt keine Methoden der Selbstverletzung. Bei akuter Eigengefährdung, einer schweren Verletzung oder wenn Sie sich für die nächsten Stunden nicht sicher halten können, wählen Sie 112 oder gehen Sie in eine Notaufnahme. Bleiben Sie möglichst nicht allein. Weitere sofort erreichbare Kontakte finden Sie unter Hilfe in Krisen.
Die Informationen dienen der Orientierung und ersetzen keine persönliche medizinische oder psychotherapeutische Einschätzung. Mentale Gesundheit Deutschland bietet kein Selbstverletzungs-Screening an.
Häufige Fragen
Ist ein Rückschritt der Beweis, dass Behandlung nicht wirkt?
Nein. Veränderung verläuft nicht immer geradlinig. Nach der notwendigen Versorgung kann ein Rückschritt Anlass sein, den Unterstützungsplan anzupassen.
Soll ich mir ein sofortiges absolutes Verbot setzen?
Ein klares Sicherheitsziel ist sinnvoll, reicht allein aber oft nicht aus. Entscheidend sind erreichbare Unterstützung, nicht verletzende Möglichkeiten zur Bewältigung und fachliche Behandlung.
Wann brauche ich intensivere Hilfe?
Wenn Häufigkeit oder Druck zunehmen, Verletzungen auftreten, Suizidgedanken hinzukommen oder ambulante Schritte nicht ausreichen, sollte die Versorgung rasch neu eingeschätzt werden.
Quellen
- Self-harm: assessment, management and preventing recurrence (National Institute for Health and Care Excellence (NICE), 2022)
- TelefonSeelsorge: Telefonberatung in Krisen (TelefonSeelsorge Deutschland)
- Psychotherapie: Sprechstunde, Akutbehandlung und Terminservice (Kassenärztliche Bundesvereinigung / 116117)
Eine namentliche fachliche Begutachtung liegt derzeit nicht vor; deshalb weisen wir keine Prüferzeile aus.
Weitere Informationen
Weitere Informationen finden Sie im Themenbereich Selbstverletzung.
Weiterlesen
- Starken Selbstverletzungsdruck überstehenSichere Schritte, die Zeit und Abstand schaffen, Unterstützung erreichbar machen und helfen, eine akute Gefahr zu erkennen.
- Ein Sicherheitsplan bei SelbstverletzungsdruckWarnzeichen, sichere Schritte und erreichbare Kontakte so festhalten, dass sie auch in stark belastenden Momenten verfügbar sind.
- Professionelle Hilfe bei Selbstverletzung findenAnlaufstellen in Deutschland, Hinweise für das erste Gespräch und klare Wege bei dringendem Hilfebedarf oder akuter Gefahr.
- Scham, Selbsthass und SelbstverletzungWie Selbstabwertung den Kreislauf verstärken kann und weshalb ein sachlicher, unterstützender Umgang Veränderung erleichtert.
