Bipolare Störung
Wie wird eine bipolare Störung diagnostiziert?
Wie Fachpersonen frühere Hoch- und Tiefphasen erfassen, andere Ursachen prüfen und warum die Diagnose Zeit brauchen kann.
Wie Fachpersonen frühere Hoch- und Tiefphasen erfassen, andere Ursachen prüfen und warum die Diagnose Zeit brauchen kann.
Redaktion Mentale Gesundheit Deutschland · · Quellenbasierter Inhalt · Details
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Für die Diagnose zählt der Verlauf
Es gibt keinen einzelnen Bluttest, Hirnscan oder Online-Fragebogen, der eine bipolare Störung nachweist. Die Diagnose wird durch qualifiziertes ärztliches oder psychotherapeutisches Fachpersonal gestellt. Entscheidend sind Art, Dauer und Folgen früherer und aktueller Stimmungsepisoden.
Viele Betroffene suchen zunächst wegen einer Depression Hilfe. Frühere Hypomanien können angenehm gewirkt haben oder als produktive Phasen in Erinnerung sein. Deshalb fragen Fachpersonen gezielt nach Zeiten mit deutlich weniger Schlafbedarf, ungewöhnlich viel Energie, Rededrang, Enthemmung und auffälligen Entscheidungen.
Bestandteile einer sorgfältigen Abklärung
Fremdbeobachtungen können wichtig sein, weil die eigene Einschätzung in Hochphasen verändert sein kann. Sie ergänzen die persönliche Perspektive, ersetzen sie aber nicht.
- ausführliches Gespräch zu aktuellen Beschwerden und früheren Episoden
- zeitliche Übersicht zu Stimmung, Aktivität, Schlaf und Funktionsniveau
- frühere Behandlungen, Medikamentenreaktionen und Klinikaufenthalte
- körperliche Erkrankungen, Medikamente sowie Alkohol und andere Substanzen
- psychische Begleiterkrankungen und mögliche andere Erklärungen
- mit Einverständnis Beobachtungen nahestehender Personen
Andere Ursachen und Erkrankungen prüfen
Unipolare Depression, ADHS, Angststörungen, Traumafolgen, Persönlichkeitsstörungen, Schlafstörungen, Substanzen und körperliche Erkrankungen können Beschwerden hervorrufen, die einzelnen Merkmalen einer bipolaren Störung ähneln. ADHS beginnt typischerweise in der Kindheit und zeigt ein längerfristiges Muster, während bipolare Symptome in abgrenzbaren Episoden auftreten. Beide Erkrankungen können auch gemeinsam vorkommen.
Mehr zur wichtigen Abgrenzung lesen Sie unter Depression oder bipolare Störung. Bei seit Kindheit bestehenden Aufmerksamkeits- und Impulsivitätsproblemen kann das ADHS-Screening Beobachtungen ordnen, aber weder ADHS noch eine bipolare Störung diagnostizieren.
Screening ist keine Diagnose
Auf Mentale Gesundheit Deutschland ist derzeit kein freigeschaltetes Bipolar-Screening verfügbar. Das Depressionsscreening erfasst aktuelle depressive, ängstliche und stressbezogene Beschwerden. Es kann nicht feststellen, ob eine Depression bipolar oder unipolar verläuft.
Bringen Sie zu einem Fachgespräch nach Möglichkeit Notizen zu Schlaf, Stimmung, Aktivität und auffälligen Entscheidungen mit. Nach sorgfältiger Klärung des Verlaufs kann eine Diagnose auch überprüft oder angepasst werden.
Medizinischer Hinweis
Diese Informationen richten sich an Erwachsene und dienen der allgemeinen Orientierung. Sie ersetzen keine persönliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei deutlicher Überaktivität, stark vermindertem Schlafbedürfnis, Realitätsverlust, Suizidgedanken oder möglicher Eigen- oder Fremdgefährdung ist rasche psychiatrische Hilfe erforderlich.
Häufige Fragen
Kann ein Online-Test eine bipolare Störung diagnostizieren?
Nein. Ein Screening kann Hinweise strukturieren, aber keine Verlaufsdiagnostik, Differenzialdiagnose oder persönliche Untersuchung ersetzen.
Wer stellt die Diagnose?
Die Diagnose sollte durch qualifiziertes psychiatrisches oder psychotherapeutisches Fachpersonal mit Erfahrung in affektiven Erkrankungen gestellt werden.
Warum kann die Diagnose länger dauern?
Episoden liegen mitunter weit auseinander, und Betroffene suchen häufig zuerst während einer Depression Hilfe. Frühere Hochphasen müssen sorgfältig rekonstruiert und andere Ursachen geprüft werden.
Quellen
- S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie bipolarer Störungen (DGBS / DGPPN / AWMF, 2020)
- Bipolare Störung (gesund.bund.de, 2024)
- Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS, 2024)
- Bipolar disorder: assessment and management (National Institute for Health and Care Excellence (NICE), 2025)
Eine namentliche fachliche Begutachtung liegt derzeit nicht vor; deshalb weisen wir keine Prüferzeile aus.
Weitere Informationen
Weitere Informationen finden Sie im Themenbereich Bipolare Störung.
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