Selbstverletzung
Selbstverletzung und Suizidgedanken unterscheiden
Warum Selbstverletzung nicht automatisch eine Suizidabsicht bedeutet, direkte Fragen dennoch wichtig sind und wann sofortige Hilfe nötig ist.
Warum Selbstverletzung nicht automatisch eine Suizidabsicht bedeutet, direkte Fragen dennoch wichtig sind und wann sofortige Hilfe nötig ist.
Redaktion Mentale Gesundheit Deutschland · · Quellenbasierter Inhalt · Details
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Nicht gleichsetzen, aber gemeinsam ernst nehmen
Selbstverletzendes Verhalten kann ohne den Wunsch zu sterben auftreten. Suizidgedanken reichen von dem Wunsch, nicht mehr da zu sein, bis zu einer konkreten Absicht. Beides darf nicht gleichgesetzt werden, kann sich aber überschneiden und im Verlauf verändern.
Eine frühere oder aktuelle Selbstverletzung ist deshalb ein Anlass, ruhig nach Suizidgedanken und der gegenwärtigen Sicherheit zu fragen. Eine solche direkte Frage bringt Menschen nicht erst auf die Idee, sich das Leben zu nehmen. Sie eröffnet vielmehr die Möglichkeit, eine Gefahr zu erkennen und Unterstützung hinzuzuziehen.
Fragen, die jetzt Sicherheit klären
Wichtige Fragen sind: Gibt es aktuell den Wunsch zu sterben? Besteht eine konkrete Absicht oder wurden bereits Vorbereitungen getroffen? Kann die Person für die nächsten Stunden für ihre Sicherheit sorgen? Ist eine unterstützende Person erreichbar? Dabei geht es nicht um eine Punktzahl, sondern um das nächste sichere Vorgehen.
Bei konkreter Absicht, bereits getroffenen Vorbereitungen, unmittelbarer Gefahr oder wenn die Person ihre Sicherheit nicht gewährleisten kann, wählen Sie 112 oder suchen Sie eine psychiatrische Notaufnahme auf. Bleiben Sie bei der betroffenen Person, sofern Sie sich dadurch nicht selbst gefährden.
Hilfe auch ohne akute Lebensgefahr
Auch ohne Suizidabsicht sollte wiederholte Selbstverletzung zeitnah fachlich begleitet werden. Eine Hausarztpraxis, eine psychotherapeutische Sprechstunde oder psychiatrische Angebote können die aktuelle Sicherheit, die körperliche Gesundheit und die psychische Belastung gemeinsam einschätzen.
Die TelefonSeelsorge ist unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 und 116 123 kostenfrei und rund um die Uhr erreichbar. Alle Kontakte und die Abgrenzung zwischen Notfall und dringender Hilfe stehen auf Hilfe in Krisen.
Screening ist keine Krisenklärung
Mentale Gesundheit Deutschland bietet kein Screening zu Selbstverletzung oder Suizidgefahr an. Bei akuter Gefahr ist ein Online-Fragebogen ungeeignet. Wenn die Situation stabil ist und zusätzlich depressive Beschwerden bestehen, kann das Depressionsscreening ein späteres Fachgespräch vorbereiten.
Ein Screening stellt keine Diagnose, beurteilt keine akute Sicherheit und ersetzt weder einen Krisendienst noch eine fachliche Untersuchung. Im Zweifel sollte eine vertraute Person oder eine professionelle Anlaufstelle direkt kontaktiert werden.
Wichtiger Sicherheitshinweis
Diese Seite beschreibt keine Methoden der Selbstverletzung. Bei akuter Eigengefährdung, einer schweren Verletzung oder wenn Sie sich für die nächsten Stunden nicht sicher halten können, wählen Sie 112 oder gehen Sie in eine Notaufnahme. Bleiben Sie möglichst nicht allein. Weitere sofort erreichbare Kontakte finden Sie unter Hilfe in Krisen.
Die Informationen dienen der Orientierung und ersetzen keine persönliche medizinische oder psychotherapeutische Einschätzung. Mentale Gesundheit Deutschland bietet kein Selbstverletzungs-Screening an.
Häufige Fragen
Erhöhe ich das Risiko, wenn ich nach Suizidgedanken frage?
Nein. Eine ruhige, direkte Frage kann Offenheit ermöglichen und hilft, notwendige Unterstützung zu organisieren.
Wann muss ich 112 wählen?
Bei unmittelbarer Eigen- oder Fremdgefährdung, konkreter Suizidabsicht oder bereits getroffenen Vorbereitungen, einer schweren Verletzung oder wenn die Person ihre Sicherheit nicht gewährleisten kann.
Reicht ein Depressionstest zur Risikoeinschätzung?
Nein. Ein Depressionsscreening beurteilt keine akute Suizidgefahr. In einer Krise ist direkter Kontakt zu Notruf, Notaufnahme oder Krisenhilfe erforderlich.
Quellen
- Self-harm: assessment, management and preventing recurrence (National Institute for Health and Care Excellence (NICE), 2022)
- Hilfsangebote in suizidalen Krisen (Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention)
- TelefonSeelsorge: Telefonberatung in Krisen (TelefonSeelsorge Deutschland)
Eine namentliche fachliche Begutachtung liegt derzeit nicht vor; deshalb weisen wir keine Prüferzeile aus.
Weitere Informationen
Weitere Informationen finden Sie im Themenbereich Selbstverletzung.
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